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Bewerbung

Das Anschreiben für den Betrieb, in dem der Chef selbst liest

In kleinen Handwerksbetrieben liest keine Personalabteilung, sondern der Inhaber – abends, nach der Baustelle. Was daraus für Länge, Inhalt und Form der Bewerbung folgt.

6 Min. Lesezeit von Steven Schulz

In einem Betrieb mit acht Leuten gibt es keine Personalabteilung. Es gibt einen Inhaber oder eine Meisterin, die den ganzen Tag auf der Baustelle, im Kundendienst oder in der Werkstatt war, und die abends das Postfach öffnet – oft am Telefon, im Auto vor der eigenen Haustür, zwischen Rechnung und Materialbestellung. In diesem Moment wird über Ihre Bewerbung entschieden. Alles, was ein Anschreiben im Handwerk leisten soll, ergibt sich aus dieser Situation.

Wer das Anschreiben liest

Der Unterschied zum großen Unternehmen ist kein formaler, sondern ein praktischer. In einem Konzern sichtet zuerst jemand, der das Gewerk nicht ausübt, und leitet weiter. Im Handwerksbetrieb liest sofort die Person, die auch die Arbeit verteilt, die Maschinen kennt und weiß, wer im Team fehlt. Sie prüft nicht, ob eine Bewerbung nach Lehrbuch aufgebaut ist. Sie prüft, ob sie Sie nächste Woche mit auf die Baustelle nehmen kann.

Daraus folgt zweierlei. Erstens interessiert die Fachlichkeit vom ersten Satz an, nicht erst im dritten Absatz. Zweitens fällt jede Formulierung auf, die aus einer Vorlage stammt. Wer täglich mit Kunden spricht, hört den Unterschied zwischen einem selbst geschriebenen und einem zusammenkopierten Satz sofort.

Kurz, weil der Tag lang war

Eine halbe Seite reicht. Fünf bis sieben Sätze, höchstens zwei kurze Absätze, dazu Anrede und Gruß. Wer mehr schreibt, gewinnt nichts, denn die Entscheidung fällt in den ersten Zeilen.

Schreiben Sie die Anrede an eine Person, nicht an ein Unternehmen. Der Name steht meist im Impressum oder auf dem Fahrzeug. Wo Sie ihn nicht finden, ist eine allgemeine Anrede besser als ein falscher Name.

Der erste Satz nennt das Gewerk, den Abschluss und den Grund für die Bewerbung. Etwa so: Gelernter Anlagenmechaniker, Gesellenprüfung 2019, seit vier Jahren im Kundendienst, sucht einen Betrieb näher am Wohnort. Das ist unglamourös und beantwortet drei Fragen auf einmal.

Denken Sie beim Schreiben an den kleinen Bildschirm. Ein Text, der am Rechner luftig aussieht, wird auf dem Telefon zu einem grauen Block. Kurze Absätze, keine Schachtelsätze, keine Tabellen im Mailtext. Dazu ein Punkt, der banal klingt und trotzdem regelmäßig über Bewerbungen entscheidet: Der Name des Betriebs und die Bezeichnung des Gewerks gehören richtig geschrieben. Einen fehlerfreien Aufsatz erwartet niemand, aber wer den eigenen Beruf falsch schreibt, hat ein Problem, das mit Rechtschreibung nichts zu tun hat.

Was den Betrieb wirklich interessiert

Die Liste ist kurz und in jedem Gewerk ähnlich. Sie gehört in das Anschreiben, nicht versteckt in den Lebenslauf:

  • Gewerk und Gesellenprüfung – welcher Beruf, welches Jahr, welche Handwerkskammer.
  • Womit Sie gearbeitet haben – Maschinen, Anlagen, Steuerungen, Systeme, Materialien. Konkret: welche Art von Heizungsanlagen, welche Schweißverfahren, welche CNC-Steuerung, welche Putzmaschine.
  • Einsatzbereiche – Neubau, Sanierung, Wartung, Kundendienst, Werkstatt. Ein Betrieb, der überwiegend saniert, sucht andere Leute als einer, der Reihenhäuser hochzieht.
  • Führerschein und Klassen, dazu die Frage, ob Sie Anhänger oder den Transporter mit Kran fahren.
  • Montagebereitschaft – gar nicht, tageweise, wochenweise. Eine ehrliche Antwort spart beiden Seiten Zeit.
  • Verfügbarkeit und Wohnort – ab wann Sie anfangen können und wie weit es zum Betriebshof ist. Die Anfahrt ist kein Nebenthema, wenn der Tag um halb sieben beginnt.

Wer diese sechs Punkte auf einer halben Seite unterbringt, hat mehr gesagt als eine vollgeschriebene Seite mit allgemeinen Wendungen.

Floskeln und was an ihrer Stelle steht

„Teamfähig, motiviert und belastbar" steht in jeder zweiten Bewerbung und trägt deshalb keine Information mehr. Der Satz behauptet etwas, das jeder über sich behauptet, und er lässt sich nicht überprüfen.

Ersetzen lässt er sich durch Tätigkeiten. Statt teamfähig: zwei Jahre feste Kolonne mit zwei Kollegen, Bäder komplett von der Demontage bis zur Abnahme. Statt belastbar: Bereitschaftsdienst im Winter, Heizungsstörungen auch am Wochenende. Statt selbständiges Arbeiten: Kundendienstfahrten allein, Material selbst disponiert, Aufmaß und Rapportzettel selbst geschrieben.

Das ist kein Stilmittel, sondern der eigentliche Inhalt. Wer die Arbeit beschreibt, beschreibt sich selbst mit.

Ebenso überflüssig ist der Satz, man sei auf die Ausschreibung im Internet gestoßen. Interessant wird die Herkunft nur, wenn sie etwas erklärt – etwa, dass ein Bekannter im Betrieb arbeitet und erzählt hat, wie dort gearbeitet wird.

Wenn der Betrieb gar nicht ausschreibt

Viele kleine Betriebe schreiben nicht aus. Sie suchen über Bekannte, über den Lieferanten, über die Kammer, und wenn sich zufällig jemand meldet, wird eingestellt. Deshalb ist die Initiativbewerbung im Handwerk kein Notbehelf, sondern ein üblicher Weg.

Sie funktioniert genauso wie die Bewerbung auf eine Stelle, nur dass der Grund anders lautet. Statt der Ausschreibung nennen Sie den Betrieb: dass er in Ihrer Nähe sitzt, dass Sie seine Fahrzeuge auf Baustellen sehen, dass er die Art von Arbeit macht, die Sie können. Ein Satz genügt. Danach kommen dieselben sechs Punkte.

Rechnen Sie damit, dass eine Initiativbewerbung liegen bleibt, bis jemand kündigt. Das ist keine Absage. In vielen Fällen ist der Anruf der schnellere Weg – wie er abläuft und worauf es dabei ankommt, steht im Artikel Anruf, Gespräch und Probearbeiten.

Form, Anhänge, Zeugnisse

Eine E-Mail, ein Anhang, ein PDF. Das Anschreiben steht entweder im Mailtext oder als erste Seite im PDF; beides ist üblich, doppelt gehört es nicht. Der Dateiname enthält Ihren Namen und das Gewerk, damit die Datei auf dem Telefon wiederzufinden ist. Eine Datei mit dem Namen „Bewerbung final neu" hilft niemandem.

Der Betreff nennt das Gewerk und, wenn vorhanden, die Stelle. Im Mailtext stehen Telefonnummer und Wohnort, weil viele Betriebe zurückrufen statt zu schreiben.

In den Anhang gehören Lebenslauf und die Zeugnisse, die etwas belegen: Gesellenprüfungszeugnis, Befähigungsnachweise, Schweißerprüfungen, Führerschein, wenn er für die Stelle zählt. Nicht alles, was Sie haben – das Grundschulzeugnis ist kein Argument. Welche Unterlagen im Handwerk tatsächlich gefragt sind und wie der Lebenslauf dazu aufgebaut wird, steht im Lebenslauf-Artikel.

Eine ausgedruckte Bewerbungsmappe schicken Sie nur, wenn der Betrieb ausdrücklich darum bittet. Sie kostet Geld, kommt langsamer an und liegt am Ende doch auf demselben Stapel.

Und dann nachfragen

Nach etwa einer Woche dürfen Sie anrufen. Nicht um zu drängen, sondern um zu klären, ob die Bewerbung angekommen ist und wann mit einer Rückmeldung zu rechnen ist. Zwei Sätze reichen, und der Anruf gehört früh am Morgen oder nach Feierabend geführt, nicht mitten in den Vormittag hinein.

In kleinen Betrieben wird diese Nachfrage selten als aufdringlich empfunden. Häufiger ist der umgekehrte Fall: Die Mail ist im Postfach untergegangen, und der Anruf holt sie wieder nach oben. Wer sich meldet, zeigt außerdem genau das, was in keinem Anschreiben glaubhaft zu behaupten ist – dass es ihm ernst ist.

Wenn aus dem Gespräch ein Angebot wird, beginnt das nächste Thema: Was der Lohn im Betrieb tatsächlich umfasst, steht unter Gehalt verhandeln. Und wer noch nicht weiß, in welchem Betrieb er eigentlich anfangen möchte, verschafft sich am besten zuerst einen Überblick über die offenen Stellenangebote und über die Gewerke, in denen gerade gesucht wird.

Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen Anzeigen aus ganz Deutschland, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.

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