Eine Bewerbung im Handwerk beginnt häufig nicht mit einer Datei, sondern mit einem Telefonat. Das hat weniger mit Tradition zu tun als mit dem Betriebsalltag: Wenn jemand kündigt, fehlt die Arbeitskraft ab der nächsten Woche. Der Inhaber hat dann keine vier Wochen Verfahren, sondern einen Kundentermin, der gehalten werden muss.
Warum der Anruf oft schneller zum Ziel führt
Eine Mappe im Postfach wird gelesen, wenn abends Zeit dafür ist – und wenn keine Zeit ist, liegt sie zwei Wochen. Ein Anruf dagegen trifft die Person direkt, die entscheidet. In vielen Betrieben ist das Gespräch nach drei Minuten verabredet, und die Unterlagen bringen Sie dann mit oder schicken sie am selben Abend hinterher.
Dazu kommt: Viele kleine Betriebe schreiben gar nicht aus. Sie besetzen über Bekannte, über Lieferanten, über die Kammer. Wer anruft, meldet sich damit bei einem Bedarf, den es gibt, der aber nirgends steht. Das ist der Grund, warum ein Anruf im Handwerk selten als aufdringlich gilt.
Die schriftliche Bewerbung ist damit nicht überflüssig. Sie kommt nur an anderer Stelle – nach dem Telefonat statt davor. Was hineingehört, steht unter Anschreiben und Lebenslauf.
Wann Sie anrufen und was Sie sagen
Der Zeitpunkt entscheidet mit. Früh am Morgen, bevor die Kolonne rausfährt, oder nach Feierabend, wenn der Betrieb zurück ist. Mitten am Vormittag steht alles auf der Baustelle, und wer dort mit dem Telefon zwischen Schulter und Ohr hantiert, hört nicht zu.
Die ersten beiden Sätze entscheiden über den Rest. Nennen Sie Namen, Gewerk, Abschluss und Anliegen – in dieser Reihenfolge und ohne Umweg: Gelernter Metallbauer, Gesellenprüfung vor sechs Jahren, seit vier Jahren im Stahlbau, auf der Suche nach einem Betrieb in der Nähe, und die Frage, ob jemand gesucht wird. Danach sind Sie still und lassen die andere Seite antworten.
Legen Sie sich vor dem Anruf drei Fragen zurecht. Sinnvoll sind die, deren Antwort Sie wirklich brauchen: Welche Art von Aufträgen macht der Betrieb überwiegend? Wie ist die Kolonne aufgeteilt, arbeitet man allein oder zu zweit? Wie viel Montage fällt an, und wie sind die Arbeitszeiten im Sommer und im Winter? Drei Fragen sind genug; alles andere gehört ins Gespräch.
Zum Schluss verabreden Sie den nächsten Schritt aktiv, statt auf eine Einladung zu warten: ob Sie die Unterlagen schicken sollen, an welche Adresse, und wann Sie vorbeikommen können. Notieren Sie den Namen der Person, mit der Sie gesprochen haben. Das erleichtert alles Weitere.
Das Gespräch findet im Betrieb statt
Gesprochen wird selten in einem Besprechungsraum. Üblich sind das Büro neben der Werkstatt, der Tisch im Sozialraum oder der Stehtisch in der Halle. Eine halbe Stunde ist normal, und meistens wird anschließend die Werkstatt gezeigt.
Kleiden Sie sich sauber und praktisch. Ein Anzug wirkt in einer Schlosserei nicht seriöser, sondern unpassend. Feste Schuhe sind sinnvoll, weil der Rundgang durch die Halle dazugehört.
Bringen Sie die Unterlagen mit, auch wenn Sie sie geschickt haben, dazu Nachweise, die im Gespräch aufkommen: Schweißerprüfung, Schaltberechtigung, Führerschein, Unterweisungen. Nichts hält ein Gespräch schneller auf als die Auskunft, das Papier liege zu Hause.
Worauf Sie beim Rundgang selbst achten sollten
Der Rundgang ist keine Höflichkeit, sondern Ihre Gelegenheit zur Prüfung. Sie sehen in zehn Minuten mehr über den Betrieb als in jeder Stellenanzeige.
Sehen Sie sich den Zustand der Maschinen an: gewartet oder zusammengehalten, Absaugung vorhanden und in Betrieb, Schutzeinrichtungen an ihrem Platz oder abgebaut. Achten Sie auf Ordnung – nicht auf Sauberkeit im Sinne von aufgeräumt, sondern darauf, ob Material, Werkzeug und Wege ein System haben. Ein Betrieb, in dem niemand weiß, wo die Winkelschleifer liegen, verliert diese Zeit jeden Tag.
Ein zweiter Punkt ist die Schutzausrüstung. Tragen die Leute sie, liegt sie bereit, und wird sie vom Betrieb gestellt oder ist sie Privatsache. Wie die Zuständigkeiten dabei verteilt sind, ist im Artikel Persönliche Schutzausrüstung beschrieben.
Der dritte Punkt ist der Ton. Wie wird über Kunden gesprochen, wie über den Kollegen, der gerade nicht da ist, wie über den Auszubildenden. Ein Betrieb, in dem der Chef vor einem Fremden abfällig über die eigenen Leute redet, redet über Sie nicht anders, sobald Sie nicht im Raum sind.
Die Fragen, die kommen
Sie sind in fast jedem Betrieb dieselben, und sie sind fachlich.
Womit haben Sie zuletzt gearbeitet – gemeint sind Maschinen, Systeme, Materialien, Verfahren. Antworten Sie konkret und nennen Sie auch, was Sie nicht können. Wer ein Verfahren behauptet, das er nicht beherrscht, steht spätestens am zweiten Tag daneben.
Wie weit fahren Sie, und wie kommen Sie zum Betriebshof. Montage ja oder nein, und wenn ja, wochenweise oder tageweise. Wann können Sie anfangen – hier zählt die Kündigungsfrist, die für Sie gilt; welche das ist, steht unter Kündigungsfristen.
Gefragt wird außerdem nach dem Grund für den Wechsel. Eine sachliche Antwort genügt: kürzerer Weg, anderes Arbeitsgebiet, Betriebsaufgabe des bisherigen Arbeitgebers. Schlecht über den alten Betrieb zu reden, schadet nur der eigenen Seite.
Über Geld wird im Handwerk meist im selben Gespräch geredet, nicht in einer zweiten Runde. Es lohnt sich, vorher zu wissen, was im Betrieb üblich ist und woraus sich der Lohn zusammensetzt – der Artikel Gehalt verhandeln geht darauf ein.
Rechnen Sie damit, dass die fachliche Frage praktisch wird. In vielen Betrieben endet das Gespräch damit, dass Ihnen ein Bauteil, eine Zeichnung oder ein defektes Gerät hingehalten wird und Sie sagen sollen, wie Sie vorgehen würden. Das ist keine Prüfung mit einer einzigen richtigen Lösung, sondern die Frage, wie Sie an eine Aufgabe herangehen. Laut mitzudenken und die eigenen Schritte zu benennen, bringt dabei mehr als eine schnelle Antwort, die niemand nachvollziehen kann.
Probearbeiten
Ein oder zwei Tage Probearbeiten sind üblich, und sie sind für beide Seiten sinnvoll. Der Betrieb sieht, wie Sie arbeiten; Sie sehen, mit wem Sie arbeiten würden und wie der Tag wirklich läuft.
Entscheidend ist die Abgrenzung. Ein kurzes Kennenlernen, bei dem Sie zusehen, den Betrieb ansehen und vielleicht einmal etwas in die Hand nehmen, ist etwas anderes als ein Arbeitstag. Sobald Sie eingeplant sind, Aufträge mit abarbeiten und Ihre Leistung dem Betrieb zugutekommt, ist das Arbeit – und Arbeit wird vergütet.
Klären Sie das vorher und schriftlich, und sei es in zwei Sätzen per Mail: an welchem Tag, von wann bis wann, welche Tätigkeit, ob und wie vergütet wird, und wie es mit dem Versicherungsschutz und der Schutzausrüstung aussieht. Eine Mail mit dieser Verabredung kostet fünf Minuten und erspart den Streit hinterher, der sonst regelmäßig genau an diesem Punkt entsteht.
Wird aus dem Probearbeiten eine Einstellung, folgt in aller Regel eine Probezeit, und die ist etwas anderes: eine vereinbarte Zeit im laufenden Arbeitsverhältnis, längstens für sechs Monate, in der nach § 622 Abs. 3 BGB mit zwei Wochen gekündigt werden kann. Was in dieser Phase sonst noch gilt, steht im Artikel Probezeit.
Wer diese Punkte vorher regelt, hat den unangenehmen Teil hinter sich, bevor er anfängt. Der Rest ist Handwerk – und wo gerade gesucht wird, zeigen die offenen Stellenangebote.
Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen Anzeigen aus ganz Deutschland, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.