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Gesundheitshandwerk

Orthopädietechniker

Orthopädietechniker fertigen Prothesen, Orthesen und Bandagen, passen sie am Menschen an und begleiten die Versorgung über Jahre.

16 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.

Was man als Orthopädietechniker verdient

Monats- und Jahresbrutto nach Erfahrungsstufe, bundesweit
Erfahrung Von Median Bis Jahresbrutto Verhältnis
Berufseinstieg 2.500 € 2.800 € 3.100 € 33.600 €
Mit Berufserfahrung 3.000 € 3.400 € 3.900 € 40.800 €
Mit langjähriger Erfahrung 3.700 € 4.300 € 5.300 € 51.600 €

Das Gewerk zahlt im Mittel etwas über dem Handwerksdurchschnitt, weil die Versorgung medizinisch verantwortet wird und Fachkräfte knapp sind. Tarifverträge bestehen regional mit schwacher Bindung; große Sanitätshausgruppen arbeiten mit eigenen Gehaltsbändern. Meister und Werkstattleitungen liegen klar über Gesellen, weil an ihnen die fachliche Leitung und die Kassenverträge hängen. Die Vergütung der Hilfsmittel durch die Kassen begrenzt den Spielraum im Standardgeschäft nach oben.

Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.

Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.

Gehalt nach Bundesland

Das Berufsbild

Was macht ein Orthopädietechniker?

Er baut Hilfsmittel für Menschen mit fehlenden oder eingeschränkten Gliedmaßen und passt sie am Körper an. Das Spektrum reicht von Arm- und Beinprothesen über Orthesen für Rumpf, Bein und Hand, Korsette bei Skoliose, Rollstühle und Sitzschalen bis zu Bandagen, Kompressionsversorgungen und Hilfsmitteln für die Rehabilitation. Der Ablauf beginnt mit der ärztlichen Verordnung und dem Maßnehmen, führt über Gipsabdruck oder Scan zum Modell, dann in die Werkstatt mit Kunststoff, Carbon, Metall und Polstermaterial und endet nicht mit der Übergabe: Anprobe, Gangschulung, Nachpassung und regelmäßige Kontrolle gehören zur Versorgung, weil sich der Körper verändert. Die Arbeit findet in der Werkstatt, im Anproberaum, in Kliniken und Rehazentren und in Zusammenarbeit mit Ärzten und Therapeuten statt.

Wie wird man Orthopädietechniker?

Über eine dreijährige duale Ausbildung im Orthopädietechnik-Mechanikerhandwerk. Das Gewerk steht in der Anlage A der Handwerksordnung und gehört zu den Gesundheitshandwerken; für diese schließt § 7b der Handwerksordnung die Ausübungsberechtigung erfahrener Gesellen ausdrücklich aus, sodass ein eigener Betrieb den Meisterbrief verlangt. Der Meister ist zugleich die fachliche Voraussetzung dafür, dass ein Betrieb Hilfsmittel zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung abgeben darf. Nach der Gesellenprüfung sind Spezialisierungen in Prothetik, Orthetik, Rehatechnik oder Kompressionsversorgung üblich. Weiterführend gibt es den Meister, den Techniker und Studiengänge in Orthopädie- und Rehabilitationstechnik.

Was der Beruf verlangt

Zwei Kompetenzen, die selten zusammen auftreten: handwerkliche Präzision und der Umgang mit Menschen in schwierigen Lebenslagen. Wer eine Beinprothese anpasst, arbeitet mit jemandem, der eine Amputation hinter sich hat, und die Versorgung gelingt nur, wenn Vertrauen, Geduld und Zuhören dazukommen. Technisch verlangt der Beruf Kenntnisse in Anatomie und Biomechanik, Materialwissen von Carbon bis Silikon und zunehmend den Umgang mit Scanner, Konstruktionssoftware, Fräse und Drucker. In der Werkstatt sind Stäube beim Schleifen von Kunststoff und Harzen sowie Dämpfe beim Laminieren das Thema, für das Absaugung und Atemschutz vorgeschrieben sind. Wirtschaftlich prägend ist die Kassenversorgung: Hilfsmittel werden nach § 33 SGB V geleistet, und wer sie abgeben will, braucht Verträge mit den Kassen und einen Präqualifizierungsnachweis nach § 126 SGB V. Genehmigungsverfahren und Widersprüche gehören deshalb zum Alltag.

Aussichten

Die demografische Entwicklung und die Zunahme von Diabetes und Gefäßerkrankungen erhöhen den Bedarf, und gleichzeitig wächst der technische Anspruch: mikroprozessorgesteuerte Knie- und Fußpassteile, myoelektrische Handprothesen, digital gefertigte Orthesen und Sitzschalen verändern das Handwerk schneller als in den meisten Gewerken. Wer digitale Fertigung beherrscht, ist gesucht. Der Markt wird zunehmend von Sanitätshausketten geprägt, die Werkstätten bündeln; daneben halten sich spezialisierte Meisterbetriebe gut, weil aufwendige Einzelversorgungen nicht standardisierbar sind. Wege nach vorn führen in die Werkstattleitung, in die Spezialisierung auf Prothetik oder Kinderversorgung, über den Meisterbrief in die Selbständigkeit oder in die Anwendungstechnik der Hersteller.

Aufgaben

  • Maß nehmen, Gipsabdrücke anfertigen und scannen
  • Prothesen für Arme und Beine bauen und ausrichten
  • Orthesen, Korsette und Bandagen herstellen
  • Rollstühle und Sitzschalen individuell anpassen
  • Anproben durchführen und Versorgungen nachpassen
  • Mit Ärzten, Kliniken und Therapeuten zusammenarbeiten
  • Kompressionsversorgungen ausmessen und abgeben
  • Verordnungen, Kostenvoranschläge und Abrechnung bearbeiten

Voraussetzungen

  • Abgeschlossene Ausbildung im Orthopädietechnik-Mechanikerhandwerk
  • Kenntnisse in Anatomie und Biomechanik
  • Handwerkliches Geschick mit Kunststoff, Carbon und Metall
  • Einfühlungsvermögen im Umgang mit betroffenen Menschen
  • Sicherer Umgang mit digitaler Konstruktion und Fertigung
  • Verständnis für Hilfsmittelrecht und Kassenabrechnung

Wo man arbeitet

  • Orthopädietechnische Werkstätten und Sanitätshäuser
  • Kliniken und Rehabilitationszentren mit eigener Werkstatt
  • Filialnetze großer Sanitätshausgruppen
  • Hersteller von Prothesen- und Orthesenkomponenten

Der Weg in den Beruf

Die duale Ausbildung im Orthopädietechnik-Mechanikerhandwerk dauert drei Jahre. Das Gewerk steht in der Anlage A der Handwerksordnung und zählt zu den Gesundheitshandwerken, für die § 7b der Handwerksordnung die Ausübungsberechtigung erfahrener Gesellen ausschließt; der eigene Betrieb verlangt daher den Meisterbrief, der zugleich Voraussetzung für die Versorgung zulasten der Krankenkassen ist. Weiterführend gibt es den Techniker und Studiengänge in Orthopädie- und Rehabilitationstechnik.

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