In fast jeder Werkstatt steht eine Werkbank, deren Höhe niemand gewählt hat. Sie war da, als der Betrieb übernommen wurde, oder sie kam mit der Einrichtung, oder der Schreiner hat sie vor zwanzig Jahren nach dem gebaut, was damals üblich war. Gearbeitet wird daran von Menschen sehr unterschiedlicher Körpergröße, im Stehen, im Vorbeugen, mit dem Werkstück flach oder aufrecht eingespannt.
Das Ergebnis ist bekannt: gebeugter Rücken bei den Großen, hochgezogene Schultern bei den Kleinen, und bei allen ein Nacken, der am Freitag anders fühlt als am Montag. Dieser Text beschreibt, wonach sich die richtige Höhe bemisst und welche Lösungen es gibt, wenn eine einzige Höhe nicht reicht.
Der Bezugspunkt ist der Ellbogen
Die Regel, mit der Arbeitsmediziner und Einrichter arbeiten, ist einfach und lässt sich ohne Messgerät anwenden.
Stellen Sie sich aufrecht hin, Schultern locker, Oberarme am Körper hängend, und winkeln Sie die Unterarme waagerecht an. Die Höhe, auf der die Handflächen dann liegen, ist die Ellbogenhöhe im Stand. Sie ist der Ausgangspunkt für jede Festlegung – und sie ist bei jedem Menschen eine andere, weshalb eine allgemeingültige Zentimeterangabe für Werkbänke nicht existiert.
Von diesem Punkt aus wird in zwei Richtungen abgewichen, und zwar nach der Art der Arbeit.
Tiefer als Ellbogenhöhe liegt die Arbeitsfläche bei kraftbetonter Arbeit. Wer hobelt, feilt, hämmert, biegt oder mit Körpergewicht drückt, braucht Platz über der Fläche, um Kraft aus Schultern und Oberkörper aufbringen zu können. Steht die Fläche zu hoch, arbeitet nur noch der Unterarm, und die Schultern hängen im Anschlag.
Höher als Ellbogenhöhe liegt sie bei feiner, präziser Arbeit. Wer lötet, verdrahtet, anreißt, graviert oder kleine Teile fügt, muss nah heran und braucht eine Auflage für die Unterarme. Steht die Fläche dafür zu tief, beugt sich der ganze Oberkörper darüber, und der Nacken trägt den Kopf über Stunden in einer Haltung, für die er nicht gebaut ist.
Dazwischen liegt die leichte Montagearbeit, für die die Ellbogenhöhe selbst ungefähr stimmt.
Entscheidend ist die Höhe des Werkstücks
Der häufigste Denkfehler steckt in der Frage selbst. Gefragt wird nach der Höhe der Werkbank. Maßgeblich ist die Höhe der Stelle, an der tatsächlich gearbeitet wird.
Ein Türblatt, das flach auf der Bank liegt, bringt seine eigene Stärke mit. Ein Motorblock auf einem Montageständer arbeitet ein gutes Stück über dessen Auflage. Ein Werkstück im Schraubstock steht oberhalb der Backen, ein Blech in der Abkantvorrichtung an der Biegekante, ein Fenster im Bock an der Ecke, die gerade verputzt wird. In all diesen Fällen ist die Platte nur der Unterbau.
Wer die Höhe festlegt, rechnet deshalb rückwärts: Zuerst steht fest, wo das Werkstück im Verhältnis zum Ellbogen liegen soll; erst danach ergibt sich, wie hoch die Fläche darunter sein muss. Bei wechselnden Werkstücken ändert sich mit dem Auftrag also auch die richtige Höhe – ein Argument, das für Verstellbarkeit spricht und gegen den einen perfekt eingemessenen Tisch.
Eine Höhe für alle gibt es nicht
Eine Werkstatt mit mehreren Beschäftigten und wechselnden Arbeiten wird mit einer einzigen festen Höhe nie gut bedient. Jede feste Höhe ist ein Kompromiss, und ein Kompromiss ist für die Person, die ihn am wenigsten braucht, gerade noch erträglich und für die an den Rändern dauerhaft falsch.
Das ist keine Frage der Empfindlichkeit. Wer über Jahre in Vorbeuge arbeitet, sammelt Belastung an, die sich nicht an einem Wochenende abbaut. Der Zusammenhang zwischen Arbeitshöhe und den Haltungen, die wirklich Schaden anrichten, ist derselbe wie beim Knien und bei der Überkopfarbeit; wie sich diese Haltungen begrenzen lassen, beschreibt Zwangshaltungen: Knien und Überkopfarbeit.
Was dagegen hilft
Die naheliegendste Lösung ist die höhenverstellbare Werkbank. Es gibt sie mit Kurbel und mit Elektroantrieb, als Einzeltisch und als ganze Zeile. Wichtig ist weniger die Art des Antriebs als der tatsächlich nutzbare Bereich und die Tragfähigkeit unter Last; eine Bank, die sich nur leer verstellen lässt, wird im Betrieb nicht verstellt.
Wo eine neue Bank nicht in Frage kommt, helfen Aufsätze und Unterbauten. Ein aufgesetzter Rahmen, ein zweiter Arbeitsbock in anderer Höhe, ein stabiles Podest für die größeren Kollegen sind einfache Mittel, die in einem Nachmittag gebaut sind. Sie lösen das Problem nicht elegant, aber sie lösen es.
Auf der Baustelle und in der Montage übernehmen Rollböcke, Montageständer und Rollgerüste die Aufgabe. Ein Fensterelement, das im Bock auf Arbeitshöhe steht, wird anders beschlagen als eines, das am Boden liegt. Ein Heizkörper, der vormontiert auf dem Wagen hängt, spart die Kniearbeit an der Wand.
Scheren- und Hubtische sind die Lösung für schwere Teile. Sie ersparen nicht nur das Bücken, sondern auch das Heben: Die Last wird auf Höhe gebracht, statt auf Höhe getragen. In der Kfz-Werkstatt ist die Hebebühne aus demselben Grund der Grube vorzuziehen – die Grube verlangt Überkopfarbeit in fester Höhe, die Bühne lässt sich auf den Menschen einstellen.
Und schließlich die organisatorische Lösung, die nichts kostet: Vormontage auf Arbeitshöhe statt Montage an der Wand oder am Boden. Was auf der Bank zusammengebaut werden kann, wird dort zusammengebaut und erst fertig eingesetzt. Das spart Zeit und es spart Haltung.
Greifhöhen, Sitzen und Stehen
Zur Arbeitshöhe gehört, was in Reichweite liegt. Material und Werkzeug, die regelmäßig gebraucht werden, gehören zwischen Hüfte und Schulter – nicht in die unterste Schublade und nicht auf das oberste Regalbrett. Alles, was täglich vom Boden aufgehoben oder über Kopf heruntergeholt wird, ist eine Belastung, die sich durch Umräumen beseitigen lässt; die Zusammenhänge dazu stehen in Heben und Tragen.
Wo es die Arbeit zulässt, ist der Wechsel zwischen Stehen und Sitzen besser als beides allein. Dauerstehen belastet Beine und Venen, Dauersitzen den Rücken. Stehhilfen, an die man sich anlehnt, ohne die Standposition ganz aufzugeben, und Sattelsitze, die das Becken aufrecht halten, sind für viele Arbeitsplätze in Metall, Elektro und den Gesundheitshandwerken eine sinnvolle Ergänzung. Sie ersetzen den Stand nicht, sie unterbrechen ihn.
Wie sich Arbeitshöhen in die Einrichtung insgesamt einfügen – Wege, Licht, Stauraum, Absaugung –, behandelt Werkstatt und Arbeitsplatz einrichten.
Festgelegt wird es in der Beurteilung
Verbindlich wird das alles an einer Stelle. Nach § 5 Abs. 1 des Arbeitsschutzgesetzes hat der Arbeitgeber durch eine Beurteilung der mit der Arbeit verbundenen Gefährdung zu ermitteln, welche Maßnahmen erforderlich sind; § 5 Abs. 3 nennt dabei ausdrücklich die Gestaltung und Einrichtung von Arbeitsstätte und Arbeitsplatz sowie die Gestaltung von Arbeitsverfahren und Arbeitsabläufen als Gefährdungsquellen. Arbeitshöhen fallen genau darunter. Wer sie im Betrieb ändern möchte, bringt sie dort ein und nicht in der Kaffeepause; wie das Verfahren läuft, steht in Gefährdungsbeurteilung.
Was es kostet und was es einbringt
Eine höhenverstellbare Werkbank kostet ein Vielfaches einer festen. Das ist der Einwand, der in jedem Betrieb zuerst kommt, und er ist berechtigt – solange nur die Anschaffung betrachtet wird.
Dagegen steht eine einfache Rechnung, für die niemand Zahlen braucht. Rückenbeschwerden sind im Handwerk einer der häufigsten Gründe für Ausfalltage. Ein einziger längerer Ausfall in einem kleinen Betrieb bedeutet verschobene Termine, Überstunden der übrigen und in ungünstigen Fällen einen verlorenen Auftrag. Gegen diese Summe gerechnet ist die Bank kein Aufwand, sondern eine Anschaffung mit Rückfluss. Dasselbe gilt für den Hubtisch und für den zweiten Montagebock.
Hinzu kommt ein Punkt, der sich schlecht beziffern lässt und in kleinen Betrieben viel wiegt: Wer bis zur Rente im Beruf bleiben soll, muss ihn bis dahin aushalten können. Das ist auch ein Argument in der Personalsuche, und wer sich für eine Stelle im Bau oder in einer Werkstatt entscheidet, tut gut daran, beim ersten Rundgang auf die Bänke und die Böcke zu sehen.
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